Eine nachträglich vorgelegte Prognose geht von 1.750 Personen pro Tag aus

Der Haltepunkt Süd liegt 1100 m vom Hauptbahnhof entfernt. Durch diese Nähe wurde von verschiedenen Seiten befürchtet, dass es hier zu einem großen Verlagerung-Effekt kommt und ein Großteil der Fahrgäste vom Hauptbahnhof abwandere.

Dieser Verlagerung-Effekt wurde immer wieder bestritten.

Wo kommen die vielen Fahrgäste her?

Neben euphorischen,  politisch gelenkten Zahlen (4000 Schüler!!)   ermittelten  Experten der Universität Stuttgart 2009  
700 Nutzer pro Tag, die den geplanten neuen Haltepunkt frequentieren werden.

Im Oktober 2014 verlautet von der Bahn, dass man nun von rund
790 Nutzern ausgeht, ein Teil der zusätzlichen Ein- und Aussteiger wären Schüler, die statt des Hauptbahnhofs den Haltepunkt Süd nutzen würden.
„Es ist …. davon auszugehen, dass die prognostizierte Anzahl von zirka 100 Schülern pro Tag einen Großteil der Verlagerungen ausmachen wird.“ zitiert die Presse die DB. Weitere größere Verlagerungen vom Hauptbahnhof seien nicht zu erwarten.

Im März 2017 geht man in den ausgelegten Planungsunterlagen von rund 700 Personen pro Tag aus, eine größere Verlagerung wird in der Planung nicht berücksichtigt.

Im Sommer 2017 erklärt OB Hansjörg Eger im Bauausschuss dann überraschend, dass man jetzt nicht mehr von einem Nutzerkreis  von 700 Personen am Tag ausgehe, eine nicht veröffentlichte neue Nutzungsprognose gehe jetzt von 1.750 Personen pro Tag aus.

Auch Christian Wühl vom Verkehrsverbund nannte neue Eckdaten: 1700 – je zur Hälfte Ein- und Aussteiger setzen sich aus potentiellen 600 neuen S-Bahn-Kunden und 1100 „alten“ Nutzern zusammen, die bisher den Hauptbahnhof nutzen. Hierdurch reduzierten sich nach Berechnungen des VRN die Fahrgastzahlen am Hauptbahnhof von 6300 auf 5200 Fahrgäste.

Damit beruhen die Berechnungen  auf unrichtigen Zahlen. Sowohl die Bahnsteigbreiten als auch sämtliche Zugangswege sind auf der Basis einer Nutzerprognose von 700 Personen pro Tag errechnet. Diese Berechnungen lassen eine Beurteilung nicht zu, ob die Planungen insoweit auch für eine Nutzerzahl von 1.750 Personen, wie nunmehr prognostiziert, ausreichend sind.

Eine Fahrgastverlagerung vom Hbf. zum Haltepunkt Süd!

Seit Beginn wurde von uns kritisiert, dass bei der Nähe zum Hauptbahnhof  der größte Teil der Fahrgäste von dort abgezogen werde und so eine Verlagerung stattfindet.

Dies wurde immer vehement bestritten, aber wir hatten recht!

Die neue Potentialanalyse geht von einem großen Zuwachs im 1000 m Radius um den geplanten Haltepunkt aus, wobei sich das Gros der Fahrgäste aus dem Innenstadtbereich rekrutieren soll, dem aber sowieso in gleicher Entfernung der Hauptbahnhof mit seiner Infrastruktur zur Verfügung steht ….

Für den Oberbürgermeister sind 1750 Nutzer eine Bestätigung und ein Argument mehr für die Notwendigkeit des zusätzlichen Haltepunkts, – eine abenteuerliche Behauptung,  wie die Studie eindeutig belegt:

„Unsere Untersuchung beinhaltet auch die Verlagerungen vom Hauptbahnhof zum Haltepunkt Süd, die nicht unerheblich zum Ergebnis beitragen.“ so Projektleiter Dietmar Maier

Wir sehen unsere Befürchtungen durch die neue Potentialanalyse bestätigt. Damit ist belegt, dass es es eine große Verlagerung vom Hauptbahnhof zum geplanten Haltepunkt geben wird:

Der Abstand zum Hauptbahnhof ist zu nah!

Das Stadtzentrum hat jetzt zwei S-Bahn-Haltepunkte!

Die Grafik veranschaulicht das Problem:

Durch die Nähe der beiden S-Bahnstationen zueinander verlagert sich ein Großteil des bisherigen Nutzerpotentials der Innenstadt, schwächt die Funktion des Hauptbahnhofs und seiner Infrastruktur und bringt Probleme in ein Wohnviertel, dass diesen Herausforderungen nicht gewachsen ist. 

WENIGER UMSATZ:

Eine Verringerung der Fahrgastzahlen um 1100 bringt u.a. direkte Umsatzeinbußen  für die am Bahnhof ansässigen Einrichtungen!

Durch die konkurrierenden Standorte ist auch ein noch höheres Fahrgastaufkommen zu generieren. Dabei handelt es sich nicht um Neukunden, sondern in erster Linie um Fahrgäste, die nun eine in gleicher Entfernung liegende, alternative Zustiegsmöglichkeit  haben, und dies betrifft nicht nur das Stadtzentrum, sondern auch große Teile von Speyer West. 

Dabei müsste es unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten Ziel sein, durch ein neues Angebot neue Nutzer zu gewinnen!

Die wirtschaftliche Situation der Stadt Speyer bietet bei Investitionen wenig Spielraum. Es ist unverständlich, wenn hier Kosten und Folgekosten entstehen, die unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehr fraglich sind und zwangsläufig Einsparungen in anderen Bereichen mit sich bringen. Hierzu mehr >>

Standort Süd ist für diese Verlagerung nicht ausgelegt!

Eine Verdreifachung der Nutzerzahlen hat Auswirkungen auf die erforderliche Infrastruktur am Standort des Haltepunkts Süd. Für alle Einrichtungen, die außerhalb der Bahnsteigkanten nötig sind, um die geeignete Infrastruktur zu bieten, ist die Stadt zuständig.

Der zusätzliche Haltepunkt-Süd in Innenstadt-Nähe wird die Verkehrsstruktur entscheidend verändern. Neben dem normalen Betrieb wird es in den Sommermonaten verstärkte Nutzerzahlen durch Innenstadtaktivitäten kommen (Brezelfest / Wein am Dom / Bauernmarkt etc.) mit entsprechenden Herausforderungen.

Ein entsprechendes Verkehrskonzept für das betroffene Gebiet ist nicht vorhanden! Ebensowenig ein Konzept, welche die von der Studie bestätigten Auswirkungen mit der „Verlagerung vom Hauptbahnhof zum Haltepunkt“ berücksichtigt!

Dabei ist das betroffene Kämmerergebiet schon jetzt überlastet: Bürgersteige sind durch Fahrzeuge eingeengt, einspuriger Fahrbetrieb zwischen den geparkten Autos ist die Regel, selbst für Fahrradfahrer ist die Durchfahrt oft schwierig. Im S-Bahn-Haltebereich gibt es in der Hirschstraße keine adäquaten Flächen. Die in der Computersimulation gezeigten Freiflächen werden zudem zwangsläufig mit abgestellten Fahrrädern zugebaut werden. Dieser Standort ist einfach der Größe der Herausforderung nicht gewachsen!

Es sind weder Planungen seitens der Stadt erfolgt, noch sind die sich daraus ergebenden Kosten ermittelt.