Wenn der Haltepunkt Süd gebaut wird, werden beidseitig auf über 160 m Länge alle Bäume gefällt. Es wäre eine der größten innerstädtischen Baumfäll-Aktionen, mit signifikanten Auswirkungen auf das Stadtklima.

Der Bau des S-Bahn-Haltepunkts Süd verändert das Stadtklima!

Eine wissenschaftliche Studie belegt die klimatisch wichtige Funktion der Eisenbahntrasse

Im Jahre 2013 veröffentlicht das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland – Pfalz  eine 80 seitige wissenschaftliche Studie, ein Stadtklimagutachten, welches als Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung die thermischen Verhältnisse im Stadtgebiet Speyer untersucht und eindeutig die Bedeutung der Bahntrasse und der Gehölz- und Baumbestände für das Stadtklima unterstreicht.   

Die Stadt Speyer liegt in einem klimatischen Belastungsraum

Durch die Lage im Oberrheingraben und die dichte Bebauung im Ballungsraum Rhein-Neckar ist besonders die Innenstadt von Speyer bei Hitzesituationen im Hochsommer thermisch hoch belastet, mit entsprechenden gesundheitlichen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Der rechtskräftige Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt Speyer (Flächennutzungsplan 2020 mit integrierter Landschaftsplanung) führt dazu auf S. 350 in Kap. 12.2 „Gebiete mit herausragender Bedeutung für den Klimaschutz und die Durchlüftung des Stadtgebietes“ aus: „Die hohe Hitzebelastung der Stadt Speyer im Sommer und die kritische Feinstaubbelastung weisen auf klimatisch äußerst schwierige naturräumliche Bedingungen hin, die einen Schutz der Leistungsträger für den Klimaschutz zwingend erforderlich machen.

Klimawandelfolgen

Die Stadt Speyer ist Vorreiter in Rheinland-Pfalz: Als bislang einzige im Land ist die Domstadt ein Modellstandort in Sachen Klimawandelfolgen geworden. Beispielhaft sollen hier in den nächsten drei Jahren Anpassungsstrategien entwickelt werden, die auch anderen Städten und Kommunen Nutzen bringen können.Der Oberrheingraben gehört aufgrund der vorherrschenden natürlichen Verhältnisse wie hohe Sommertemperaturen, hohe Schwülebelastung, häufige Windstille und austauscharme Wetterlagen zu den bioklimatisch am stärksten belasteten Zonen Deutschlands. Zusätzlich bilden Städte durch die Wärmespeicherung der Bebauung und den hohen Versiegelungsgrad sogenannte „Wärmeinseln“, deren thermische Belastung noch einmal gegenüber dem unbebauten Umland erhöht ist. Die Stadt Speyer ist somit bereits heute bioklimatisch stärker betroffen als andere Städte in Rheinland-Pfalz. Durch ihre Lage am Rhein hat sie auch Modellcharakter für den Umgang mit Hoch-und Niedrigwasserereignissen, die infolge des Klimawandels eine größere Rolle spielen könnten. Hiervon ausgehend sollen Anpassungsoptionen basierend auf den Handlungsfeldern der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) erarbeitet werden.

mehr hierzu >> Homepage der Stadt Speyer

Bahnlinie Richtung Römerberg ist eine für das Stadtklima wichtige Ventilationsbahn

Die Auswertungen des Klimagutachtens für die Stadt Speyer (Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht, 1999) ergab folgende Einstufung von Gebieten, die bei der städtebaulichen Planung Berücksichtigung finden soll: Hoch bedeutende Freiräume für den Klimaschutz in Speyer sind: 

– Landwirtschaftliche Fluren Speyer Süd-West
– Speyerer Stadtwald
– Aue Süd
– Auwald Süd
 
Diese stehen in Verbindung mit Ventilationsbahnen deren Funktion gesichert werden muss:
– Woogbachtal
– Germansberg
Bahnlinie Richtung Römerberg

Im Oktober 2015 verwies auch die SPD in einer Anfrage auf die Bedeutung der Bahntrasse für das innerstädtische Klima und fragte, ob bereits Untersuchungen zu den klimatischen Auswirkungen auf die Speyerer Innenstadt durch den geplanten S-Bahnhaltepunkt-Süd durchgeführt wurden bzw. ob solche  Untersuchungen  geplant sind.

 

In Beantwortung der Anfrage stellt OB Hansjörg Eger fest:
„Die baulichen Auswirkungen sind in Bezug auf die Gesamtstadt sowie die Frischluftversorgung eher untergeordnet…Eine nachhaltige Zunahme des Wärmeinsel-Effekts in den umliegenden Stadtquartieren im Speyerer Stadtzentrum ist nicht zu erwarten.“

 

In Sommernächten kommt kühlere Luft durch den beständigen SSW-Wind über die Bahntrasse in die Stadt

Als Hauptwindrichtung kann für Speyer Süd-Süd-West angenommen werden.
„Entsprechend der Häufigkeit von Westwindgroßwetterlagen treten bevorzugt Winde aus SSW auf. Dies entspricht der Kanalisierung der Luftströmung entlang der begrenzenden Höhenzüge des Pfälzerwaldes und des Schwarzwaldes.“
(Stadtklimagutachten S.65) Wie oben bereits ausgeführt (Woogbachtal, Germansberg und Bahnlinie Richtung Römerberg), gibt es in Speyer noch einige „…wirksame Entlastungsschneisen, die in der Nacht kühlere Luft in das Stadtgebiet leiten. (Stadtklimagutachten, S.79) Die Funktionsfähigkeit der Bahnlinie Speyer-Römerberg ist von entscheidender Bedeutung für das Klima der Innenstadt: „Ein Gebiet sehr hoher bioklimatischer Relevanz ist, da von ihm alle südwestlichen Stadtteile direkt profitieren, die große zusammenhängende landwirtschaftliche Nutzfläche zwischen Harthausen und Lingenfeld. In sommerlichen Strahlungsnächten entsteht hier kühle Luft, die mit den häufigen SSW-Winden weit in das Stadtgebiet hineingetragen wird. Da es sich hier um eine freie Schneise in der Hauptwindrichtung handelt, kann fast jede Nacht mit dieser Strömung gerechnet werden.“ (Stadtklimagutachten S.70)

Auch der Landschaftsplan der Stadt Speyer verbietet "Entfernung klimatisch wirksamer Gehölz- und Baumbestände"

Ausdrücklich attestiert der Landschaftsplan der Stadt Speyer „eine Empfindlichkeit des Klimapotentials“ gegenüber der „Entfernung klimatisch wirksamer Gehölz- / Baumbestände in Verdichtungsgebieten“ und gegenüber der „Verdichtung im Bereich von Durchlüftungsschneisen, hier insbesondere Speyer Süd-West Richtung Berghausen“. Wegen der besonderen Bedeutung für den Klimaschutz fordert der Rat der Stadt Speyer durch Feststellungsbeschluss des Flächennutzungsplanes mit integriertem Landschaftsplan in der Sitzung vom 20.11.2007 u.a. die Bahntrasse Richtung Römerberg wegen der besonderen Bedeutung für den Klimaschutz in Speyer “…von jeglicher, dieser Funktion beeinträchtigenden Nutzung freizuhalten.“

Die klimatische Situation der Speyerer Innenstadt geht aus diesem Video hervor, dass der SWR im Sommer 2017 ausstrahlte.

SWR: Landesschau AKTUELL
Dagmar Albrecht / Lutz Herrschaft

Diesen bioklimatischen Wirkungskomplex, Kaltluftentstehungsgebiet südwestlich der Stadt und durchgängige Durchlüftungsbahn Bahnlinie Speyer-Römerberg, gilt es zu erhalten...."

zitiert aus dem Stadtklimagutachten

Wegen der Möglichkeit der großen landwirtschaftlichen Flächen im Südwesten Speyers in Strahlungsnächten gut auszukühlen und der Lage dieser Flächen in Hauptwindrichtung, „…dringt fast jede Nacht ein abkühlender Windzug im Südwesten der Stadt bis fast an die Grenze des Stadtkerns ein“. (Stadtklimagut-achten S.61) Diese erhaltenswerte Situation ist folgendem glücklichen Umstand zu verdanken: „Überraschend und gleichwohl von hoher bioklimatischer Bedeutung für Speyer ist der Befund, dass es im gesamten Südwesten der Stadt in den Nachtstunden bei Weitem nicht so warm ist, wie es der Bebauungsstruktur entspräche.“ (Stadtklimagutachten S.61) Diesen bioklimatischen Wirkungskomplex, Kaltluftentstehungsgebiet südwestlich der Stadt und durchgängige Durchlüftungsbahn Bahnlinie Speyer-Römerberg, gilt es zu erhalten.

In einem eigenen Faltblatt wirbt die Stadt Speyer mit einem alternativen Stadtplan, der besondere Erfrischung bei heißen Temperaturen verspricht:

„In einem drei Jahre andauernden Prozess hat Speyer bis Mitte 2015 als Modellkommune Maßnahmen und Strategien zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt. Unter anderem ist dabei diese Karte entstanden, die Ihnen an heißen Tagen einen alternativen Stadtrundgang vorschlagen möchte. Er zeigt Ihnen die schattigen Plätze und kühlen Oasen Speyers, ohne dabei die touristisch attraktiven Ziele außen vor zu lassen.“

Mit dem Bau des S-Haltepunkts Süd setzt Speyer eigene Klimaziele außer Kraft

Bäume und Bahnlinie bilden eine natürliche Frischluft-Schneiße
... über die nachts Abkühlung aus Richtung SSW kommt
Der S-Bahn Komplex unterbricht den Korridor ...
und die betonierten Oberflächen erhitzen sich über Tag
Abkühlung und Frischluft bleiben aus!

Übrigens: 
Drei Frischluftschneißen listete der Klimabericht 1999 auf:

• Woogbachtal
• Germansberg
• Bahnlinie Römerberg-Speyer

Der Germansberg wird seit 2018 bebaut.
Mit der Bebauung der Frischluftschneiße im Bereich des geplanten-S-Bahn-Haltepunkts wird die Frischluftversorgung für die Stadt weiter verschlechtert.

Stärkung des ÖPNV heißt nicht S-Bahn!

OFFENER BRIEF AN DIE GRÜNEN

Nachdem die Fraktion der GRÜNEN immer wieder und auch im Kommunal – Wahlkampf 2019 auf Flugblättern der Bevölkerung versicherte, dass sie sich für den weitgehenden Erhalt der Bäume am Haltepunkt Süd einsetzt, haben wir nun schriftlich angefragt, was bisher von der Partei unternommen wurde, um dieses  Versprechen einzulösen.

Die Antwort wurde für die 12. KW angekündigt –
wir werden die Reaktion hier öffentlich machen!

Offener Brief an die GRÜNEN

Nachdem die Fraktion der GRÜNEN im Kommunal – Wahlkampf 2019 in Flugblättern versicherte, dass sie sich für den weitgehenden Erhalt der Bäume am Haltepunkt Süd einsetzt, haben wir nun schriftlich angefragt, was bisher von der Partei unternommen wurde, um dieses  Wahlversprechen einzulösen.

Die Antwort wurde für die 12. KW angekündigt – wir werden die Reaktion hier öffentlich machen!