Haltepunkt mit Untertunnelung und Aufzügen!

Als Entlastung für den Bahnübergang Schützenstraße und als Alternative für Radfahrer und Fußgänger gedacht, entpuppt sich die im Zuge des S-Bahn-Haltepunkts Süd erforderliche und von der Stadt Speyer vollumfänglich zu finanzierende Unterführung als problematische Einrichtung!

Gut gemeint und trotzdem schlecht gemacht!

Noch nach Offenlegung der Pläne gingen viele Befürworter von einer treppenlosen Unterführung aus!

Erst nachdem die Pläne im Planfeststellungsverfahren waren, stellten die größten Befürworter fest, dass es keine fahrrad- und fußgängerfreundliche Lösung wird, sondern eine enge Untertunnelung, die nicht über Rampen, sondern über Treppenstufen zu durchqueren ist. 

Durch die Enge des Standorts können keine Rampen eingesetzt werden, da diese  6% Gefälle haben, die auf beiden Seiten mindestens 90 m beanspruchen.

In der Planung entstand  dadurch eine äußert platzsparende, aber gleichfalls problematische Lösung.

Gut versteckt: Der Treppenabgang zur Fußgängerunterführung
Ansicht von der Hirschstraße - links geht es zur Unterführung
Ansicht von oben
12 bzw. 14 Stufen führen zum 2,50 m breiten Gang unter den Bahngleisen
Durchgang von außen nicht einsehbar!
Der ca. 20 m lange unterirdische Gang ist ohne Tageslicht. Auch bei künstlicher Beleuchtung ist diese unübersichtliche Situation für ältere Menschen, aber auch Frauen und Kinder Angst einflößend.
Ein Angstraum
.... auch ohne direkte Bedrohung!
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EIN ANGSTRAUM..

… ohne Tageslicht
20 m lang und 2,50 breit..

…und die Unterhaltung
zahlt die Stadt

Abhilfe könnte evtl. eine Videoüberwachung schaffen, die als
Maßnahme  dem Sicherheitsgefühl und der Schadensvorsorge dient


So hat z.B. die Stadt Singen beschlossen, eine Unterführung mit Videokameras überwachen zu lassen. da in den  jährlich stattfindenden Umfragen  zum Sicherheitsempfinden der BürgerInnen die Unterführung häufig als „Angst-Raum“ benannt wurde. Auch wurden Aufzüge zu den Gleisen mutwillig zerstört und aus der Bürgerschaft heraus wurden wiederholt Beschwerden über den hygienischen Zustand der Unterführung formuliert.

Eine Videoüberwachung ist andererseits mit nicht unerheblichen Kosten verbunden, die die Stadt zu tragen hätte.

Auch wenn keine direkte Bedrohung von einer solchen Unterführung ausgeht, so kann man diesem Fall von einem „Angstraum“ sprechen.
Die Stadtsoziologie bezeichnet unter „Angstraum“ allgemein einen Ort, an dem Menschen Angst empfinden können, unabhängig von einer direkten Bedrohung.

Die rechtwinklige Anordnung von Unterführung und Treppen lässt keinen Einblick in die nur 2,50  x 2,50 m große Untertunnelung zu. 

Ein nicht einsehbarer, 20 m langer Fußgängerweg unter einer Bahnanlage, ohne Tageslicht, wird in jedem Fall von Benutzern und auch den Bewohnern der angrenzenden Wohnquartiere als beunruhigend empfunden.  

Während sich andernorts Kommunen um die Beseitigung  von solchen Angsträumen bemüht, ist man nun dabei, in Speyer ein solches Szenarium zu schaffen.

Die Unterführung ist eine Angelegenheit der Stadt, für die die Bahn nicht die Finanzierung übernimmt.
Das heißt auch, dass die Stadt für die bauliche Unterhaltung von Tunnelwänden, Boden, Deckenanstrich, Beleuchtung und Reinigung zuständig ist.  Je unübersichtlicher, umso offener lädt die nicht einsehbare Situation zu Vandalismus ein, der zwangsläufig einen entsprechend höheren Unterhaltungsaufwand mit sich bringen wird.

Eine nicht einsehbare Untertunnelung in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern ist nicht akzeptabel!

Die Unübersichtlichkeit der Anlage sorgt für eine permanente Verunsicherung – eine soziale Kontrolle kann nicht stattfinden und dies sorgt gleichzeitig für ein „ungutes Gefühl“ bei Fußgängern und Anwohnern.

Es gibt genügend Beispiele für Unterführungen im städtischen Raum. In der Regel werden sie eher gemiedenen und  fallen so schnell  außerhalb der sozialen Kontrolle, zumal, wenn sie von außen nicht einsehbar sind. Die vollmundig angekündigte Entlastung des Bahnübergangs Schützenstraße für Fußgänger und Radfahrer wird sich hier als Flop erweisen ….

…. und außerdem:

Die Treppen zur Untertunnelung verhindern den problemlosen Zugang für Radfahrer hierzu mehr >> Eltern mit Kinderwagen, Behinderte und ältere Mitbürger, die den Aufzug benutzen müssen.

Aufzüge sind aber sehr störanfällig!

Wenn man die beiden Begriffe BAHN & AUFZUG googelt, kann man sich einen Überblick über die alltäglichen Erfahrungen der Bahnkunden machen. Und diese Erfahrungen sind alles andere als positiv.
Wenn ein Aufzug mal defekt ist, ist das für die meisten Menschen ärgerlich, aber verkraftbar. Sie müssen ihre Koffer oder ihr Fahrrad die Treppen hoch oder runter schleppen, das ist nicht schön. Aber für Behinderte, Mütter mit Kinderwagen und ältere Menschen ist ein defekter Aufzug ein absolutes Ärgernis und manchmal auch katastrophal. 
Gut passt hierzu die Geschichte des Rollstuhlfahrers, der den defekten Aufzug am Bahnhof nicht nutzen konnte und so gezwungen war, weiter zu fahren, um auf einer anderen Station den Bahnsteig zu wechseln, um dann wieder zurück zu fahren …. 

Alles nur Panikmache?

Nein, das Schild Aufzug defekt ist leider Realität auf deutschen Bahnhöfen und S-Bahn-Haltepunkten. Deshalb werden Planer in jedem Fall versuchen, diese störanfälligen Elemente  zu vermeiden. Aber wenn es keine andere Möglichkeit gibt, werden Aufzüge eingebaut.
Nur: Wenn der Aufzug defekt ist, lässt sich die Bahn oftmals Zeit mit der Reparatur. Jüngstes Beispiel ist der Aufzug zum Gleis 1 im Hauptbahnhof Ludwigshafen.
Über neun Monate, von Anfang Mai 2019 bis zum 26. Februar 2020 dauerte es, bis der Lift von der Deutschen Bahn repariert wurde.

RHEINPFALZ vom 26. 02.2020 >>

Unterführung und Aufzüge bringen Probleme ...

... und selbst die Untertunnelung an dieser Stelle ist problematisch!

Die Untertunnelung muss an der engsten Stelle der Hirschstraße erfolgen, der Abstand zum nächsten Haus in der Hirschstraße beträgt gerade mal 12 Meter und 14 m in der Hasenstraße.  Wegen dieser Nähe zur Bebauung können keine Tunnelmaschinen eingesetzt werden, sondern es kommt schweres Ramm- bzw. Rüttelgerät  beim Einbringen der Spundbohlen im Bereich der Untertunnelung an den Gleisen 1 und 2 zum Einsatz. In dieser Zeit sind lt. eingereichter Planungsunterlagen erhöhte Lärmbelastungen und Einwirkungen auf die angrenzenden Gebäude nicht auszuschließen.

Der bei solchen Arbeiten empfohlene Mindestabstand von 30 m kann laut Gutachten der Bahn  an der geplanten Stelle nicht eingehalten werden und wird um ein Vielfaches unterschritten. Transportable Lärmschutzeinrichtungen können wegen fehlenden Abstands nicht eingesetzt werden.

Da mehrere Wohnhäuser innerhalb dieser kritischen Zone liegen, wird es hier zu Konflikten mit den Anwohnern kommen.

Die Lärmkarte zeigt die zu erwartende Lärmbelastung während der Bauarbeiten. In der direkten Nachbarschaft ist tagsüber mit 75 - 80 dB zu rechnen.